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Kinderlaufen
Ein hochinteressanter Bericht über Kinderlaufen
Golf mit Porsche-Motor
Von Manfred Steffny - Spiridon Chefredakteur
"Sollen Kinder lange Strecken laufen? Dies ist immer wieder die große Frage. Natürlich schon, im Vordergrund sollte aber im Grundschulalter eine allgemeine körperliche Schulung, die Entwicklung der Motorik in Spielsportarten stehen. Weder Sprint noch Ausdauer sollten in den Vordergrund gestellt werden. Der Deutsche Leichtathletik-Verband trägt dem Rechnung mit Mehrkampf für Jugendliche und mit Bestenlisten im Mittel- und Langstreckenlauf erst ab 14 Jahren.
Ein Zehnjähriger ist meistens in der Lage, eine Viertelstunde an einem Stück zu laufen. Ein übergewichtiger Erwachsener muss das oft erst mühsam erlernen. Nicht nur für den 17-jährigen Doppel-Olympiasieger im Skisprung, Simon Amann, zählt ein günstiges Kraft-Last-Verhältnis. Ein Junge oder Mädchen mit 30 kg Gewicht und kurzer Übersetzung sind für das lange, langsame Laufen wie geschaffen. Hinzu kommt, dass in diesem Alter das Herz schon stark entwickelt ist. Bevor in der Pubertät Brust und Schultergürtel sich vergrößern, ist das Verhältnis Herzgröße zu Körpergewicht außerordentlich günstig. Dr. med. Ernst van Aaken hat schon in den 70-er Jahren errechnet, dass also ein Kind mit einer Herzgröße von 600 ccm und einem Körpergewicht von 30 kg den Faktor 20 aufweist, den sonst nur Hochleistungs-Langstreckler aufweisen (z.B. 1.200 ccm Herz und 60 kg). Dies bedeutet im Grunde, dass Jugendliche vor der Pubertät gute Voraussetzungen für eine hohe Ausdauer-Leistung aufweisen. Auf der anderen Seite ist die Konzentration und die Fähigkeit, einen Rhythmus zu halten, mäßig entwickelt, kommt erst im Alter zum Tragen und ist als Routine eine der Fähigkeiten des guten Altersläufers. Bildlich gesprochen: ein dauerlaufendes Kind ist wie ein Golf mit Porsche-Motor, aber dabei mit klapprigem Fahrwerk. Ein Ausreizen der Leistungsfähigkeit im Langstreckenlauf in jungen Jahren ist ein zweischneidiges Schwert. Die Grundvoraussetzungen für eine sehr passable Leistung sind zwar vorhanden, zur Erzielung einer relativen Spitzenleistung in diesem Alter, müssen jedoch unerwünschte, nicht kindgemäße Anforderungen gestellt werden. Dies haben Fachleute und auch die Verbände weltweit erkannt und z.B. Altersgrenzen von 18 Jahren für eine Teilnahme am Marathonlauf aufgestellt, und sie führen keine Altersrekorde für Kinder mehr, gab es doch Eltern, die sogar Fünfjährige über die Marathon-Distanz mitschleppten. Aus Disziplin oder auch bedingt durch den hohen Aufmerksamkeitsgrad der Erwachsenen haben diese Kinder solche Strecken bewältigt. Aber in den meisten Fällen wurde es dann nichts mit der Formel " Dauerlauf von 7 bis 70", sondern der von ehrgeizigen Eltern oder Trainern oder beidem verschlissene Nachwuchs verlor nach der Pubertät jegliches Interesse am Langstreckenlauf, eine Entwicklung, die schädlicher ist, als die Kinder nur allmählich an den Dauerlauf heranzuführen und es ihnen später zu überlassen, ob sie sich intensiver dem Laufhobby widmen oder nicht. Eine Mary Etta Boitano aus Kalifornien lief mit zehn Jahren Marathon in 3:01 h; später hat man nichts mehr von ihr gehört. Selbst die meisten Jugendmeister auf den Mittelstrecken haben als Erwachsene keine besonderen Erfolge erzielt, sondern wurden überholt von den Läufern und Läuferinnen aus dem zweiten Glied, was aber auch mit einer schnelleren oder verzögerten Akzeleration zu tun hat.
Langsamer Aufbau
Daraus folgert, dass Kinder vor der Pubertät durchaus Langstrecken laufen können, man sie aber nicht überfordern darf. Dreimal in der Woche können Kinder durchaus mit ihren Eltern oder Altersgenossen einen einstündigen langsamen Dauerlauf unternehmen, am besten bei einem Lauftreff, wo sie schwatzen können, aber schon eine gewisse Gruppendisziplin kennenlernen. Ständiges Hin und Her, wie es vor allem kleinere Kinder mögen, sollte zwar nicht gänzlich unterbunden werden, aber zurückgeschraubt werden. Denn bei ständigen Stopps und wildem Rennen durchs Unterholz werden die Kinder letztendlich überfordert. Ist man allerdings als Elternteil oder Übungsleiter allein mit einem Kind unterwegs, dann kann daraus schon mal ein Laufspaziergang werden, bei dem das Kind auf das Umweltgeschehen, auf Pflanzen, Flüsse oder Tiere aufmerksam gemacht wird und so nebenbei eine Laufstrecke zurücklegt. Denn der Erlebnischarakter muss beim Kind im Vordergrund stehen. Bis zum Alter von 14 Jahren sollten Tempoläufe tabu sein. Die Trainingsmittel sind nur langsamer Dauerlauf und kurze Antritte von 30-50 m. Dabei genügt dreimaliges Dauerlauftraining von 8-10 km Länge. Sprintserien, ein gezieltes Intervalltraining oder Tempoläufe sind nicht kindgemäß. Sicher können manche Kinder aufgrund ihrer guten physiologischen Voraussetzungen gelegentlich ohne spezielle Vorbereitung 10 km in 45 min und sogar Marathon unter vier Stunden laufen. Dies sollte jedoch nicht unbedingt angestrebt werden. Nebenbei gesagt ist dies für einen kleinen Kenianer keine Frage. Wenn europäische Spitzenläufer in Kenia durch die Dörfer und über die Felder laufen, so kann es vorkommen, dass eine Horde einheimischer Kinder von Dorf zu Dorf über 5 km oder mehr barfuß oder mit aus Autoreifen geschnitzten Sandalen schwatzend mitläuft, in einem Tempo, bei dem unsere mitteleuropäischen Kinder nach wenigen 100 m erschöpft stehen blieben.. Vermutlich kann im Hochland um Eldoret fast jeder Zwölfjährige 10 km um oder unter 40 min laufen, weil man viel in Bewegung ist und gewohnt ist, morgens und mittags zur Schule zu traben. Dabei spielt auch die durch Barfußlaufen auf warmer roter Erde hervorragend trainierte Fußkraft eine Rolle. Kein Wunder, dass diese auch vom asthenischen Körperbau bis zum guten Organaufbau allein durch die Höhenlage prädestinierten Menschen als Erwachsene unseren europäischen Assen davonlaufen. Dieter Baumann belegte kürzlich bei den kenianischen Crosslauf-Meisterschaften in Nairobi Rang 80. Trotzdem wird es auch ohne verbotener Hilfsmittel wie EPO dank natürlicher Lebensweise und sorgsamen, über viele Jahre geförderten Aufbaue immer wieder junge Europäer geben, die mit den Afrikanern aus den Hochländern mithalten können.
3:30 min kein Problem
Ein begabter Junge kann im Alter von 12-14 Jahren 1.000 m in 3:30 min laufen, 5 km in etwas über 20 min und 10 km in 42-43 min, ein Mädchen 5-10% langsamer. Dabei wird ihnen die gängige 1.000-m-Distanz vermutlich am schwersten fallen, weil hier anaerobes Laufen verlangt wird, für das Kinder nicht geeignet sind. Überforderung kommt also nicht von 2.000-m-Läufen, sondern von kürzeren Distanzen, etwa von einem 300-m-Lauf, der von Kindern mit wesentlich kürzerer Schrittlänge und fehlender Kraft wie ein 400-m-Lauf für Erwachsene empfunden wird.
Läuft ein Kind von 1,20 m Körpergröße, das später mal 1,80 m groß sein wird, 5.000 m in 20 min, so ist es durchaus möglich, dass es mit entsprechendem Wachstums und gleicher Schrittfrequenz 1/4 oder 1/3 schneller sein kann. Der Vergleich zu den Jahrgangsschnellsten ist oft nicht stichhaltig, da diese durch schnelleres Wachstum frühreif sind und umgekehrt ein Problem haben, wenn die anderen buchstäblich nachwachsen.
Ein vorpubertäres Kind hat einen wesentlich höheren Herzschlag als ein Erwachsener. Die Formel 220 minus Lebensalter ist hier am ehesten gültig, besser ist jedoch die Ermittlung des Maximalpulses, wenn ein Herzfrequenzmesser vorhanden ist. Auch bei langsamen Dauerläufern (lDL) kann der Puls schnell auf 140 steigen, wichtig ist jedoch, das Kind zu beobachten, dass es sich noch jederzeit unterhalten kann und nicht zu stark schwitzt.Ein Training für 14-Jährige in diesem Leistungsbereich kann wie folgt aussehen:
| Vorbereitung für 1.000 m | Vorbereitung für 3.000 m |
|---|
| Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So |
frei 30 min EL, 4 x 200 m á 42-43 s, 2 min Pause, 15 min AL frei 60 min LDL frei Ballspiel 60 min LDL frei 30 min EL, 2 x 400 m á 84-86 s, 5 min Pause, 15 min AL frei 30 min LDL, 6 x 30-40 m Steigerungsläufe, 20 mim LDL 40 min LDL frei 1.000 m Wettkampf, Ziel 3:30 min |
frei 30 min EL, 5 x 400 m á 92 s, 3-4 min Pause, 15 min AL frei 60 min LDL frei Ballspiel 60 min DL / LDL frei 30 min EL, 4 x 600 m in 2:15 min, 4-6 min Pause, 15 min AL frei 30 min LDL 40 min LDL frei 3.000 m Wettkampf, Ziel 11:30 min |
| DL = Dauerlauf, LDL =
Langsamer Dauerlauf, EL = Einlaufen, AL = Auslaufen |
Marathonlauf steht mit Recht nicht auf dem DLV-Programm, weil Kinder hier oft fremdbestimmt antreten und laufen und dadurch psychologisch überfordert sind. Wo es aber möglich ist, kann ein ausdauertrainiertes Kind mit wenigen 20-km-Läufen ohne spezielle Vorbereitung bei drei- bis viermaligem Dauerlauftraining in der Woche auf einen Marathon unter vier Stunden gebracht werden. Sinnvoll ist dies nicht um einer Platzierung oder Wette willen, sondern als Lauf auf Ankommen ohne Pause, als persönliche, prägende Erfahrung, wenn später im Jugendalter das Gewicht zunimmt und die Bewältigung eines Marathonlaufs schwieriger wird, denn mit zwölf Jahren ließe sich ein Marathonlauf einfacher laufen als mit 17.
Bei den Schülern M 15 + M 14 sind folgende Mittel- und Langstrecken-Wettbewerbe vom DLV offiziell ausgeschrieben: 1.000 m, 3.000 m, 5 km Straßenlauf Schülerinnen W 15 + W 14: 800 m, 2.000 m, 5 km Straßenlauf."
10 Irrtümer in der Schulleichtathletik
von Rolf Dober/ aus Sportpaedagogik-online.de
zum Beispiel:
Ausdauer:
Mittelstreckenläufe sind ein sinnvoller Inhalt im Ausdauerbereich.
(Oder eine gute Vorbereitung auf längere Läufe)Mittelstrecken sind für untrainierte Schüler überhaupt nicht zu empfehlen. Immer wiede beobachte ich, dass untrainierte Schülerinnen und Schüler im Unterricht zum Mittelstreckenlauf angehalten werden:"Heute laufen wir mal 800/1000m !"
Dies ist insofern verwunderlich, da hier ja anareobe Ausdauer gefordert ist, die nur auf der Basis vorhandener aerober Ausdauer entwickelt werden sollte und unter schulischen Bedingungen kaum trainierbar sein dürfte. Wenn Schüler beim Laufen überfordert werden können, dann hier.
Sportmedizinisch sind solche Anforderungen längst als falsch eingestuft worden, aber selbst in Lehrplänen tauchen sie immer noch vereinzelt auf. Je länger desto besser, sollte stattdessen die Devise heißen (Laufen im aeroben Bereich). Leistungsmessungen und -vergleiche sollten dabei keineswegs ausgelassen werden, sind aber nicht unbedingt für alle Schüler sinnvoll. Schüler sollten erfahren, dass Laufen durchaus das unmittelbare Wohlbefinden steigern kann (im Gegensatz zu der Erwartung, dass die Anstrengung Missbehagen verursacht). Miteinanderander laufen statt gegeneinander zu laufen stellt m.E. eine ebenso wichtige Erfahrung dar. >>>mehr: weitere 9 Irrtümers.a. unter Ulinks/sonstige: www. sportpaedagogik-online.de
Ein Plädoyer für alle kleinen Sportler
(aus: www.almeda.de)Der Sport muss zum Junior passen
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Alle Organe, Muskeln, Knochen, Nerven und auch die Psyche wachsen und reifen noch. Diese Phase, die erst mit dem Ende der Pubertät ihren Abschluss findet, macht den kindlichen Organismus besonders anfällig für Überlastungen, wie sie sich bei einigen Sportarten kaum vermeiden lassen. Ein Gespräch mit einem Kinderarzt oder Orthopäden ist deshalb der richtige Weg, um Fehlentwicklungen des kindlichen Organismus rechtzeitig zu erkennen - ganz gleich, ob sich der Nachwuchs für einfaches Hobbyturnen begeistert oder erste Ambitionen für den Hochleistungssport zeigt. Apropos Begeisterung: Sport sollte den Sprösslingen in erster Linie Spaß machen und die Sportart ihrem Alter und ihrer Entwicklungsstufe entsprechen.
Den Spaß im Sport nicht vergessen
Dabei zeigen Kinder oft einen untrüglichen Instinkt, wenn es darum geht, ihre eigenen Begabungen zu entdecken und auszuprobieren. Für Eltern, Trainer und Betreuer ergibt sich dann die verantwortungsvolle Aufgabe, diese Begabungen zu fördern, nicht aber die Kinder den Ehrgeiz der Eltern abarbeiten zu lassen.
Vortrag zur Suchtprävention im Korbacher Bürgerhaus
Kindern mehr Freiräume einräumen
KORBACH (r). Rund 80 Erzieherinnen und Erzieher aus Korbacher Kindergärten, Grundschullehrer und Lehrerinnen, Mitglieder des Agenda-Arbeitskreises Erziehung und Bildung sowie Jugendarbeiter aus dem gesamten Landkreis nahmen am Dienstag an einem Vortrag zur Suchtprävention im Bürgerhaus teil. Referent Dr. Eckhard Schiffer warb dafür, Kindern Freiraum zum Spielen zu geben.Dr. Schiffer fordert für Kinder Plätze zum Toben, Rennen, Stolpern, Schreien statt kleiner Kinderzimmer und Straßen voller Autos. Kindern und Jugendlichen sollten Freiräume eingeräumt werden ohne krankmachende Normen, Regeln, Anpassungsdruck und Bewertungen. Denn nur dort können sie ihre Fantasiekräfte entfalten und Gemütskräfte entwickeln. Eine lebendige Fantasie vor dem Hintergrund einer lebendigen Spielerfahrung helfe, vor Sucht und Gewalt zu bewahren.
"Kindliches Spielen bedeutet leibhaftige Welterfahrung mit allen Sinnen, einschließlich des Bewegungssinnes sowie der Gefühle", so der Arzt für Psychiatrie. Diese Erfahrung schlage sich in inneren Bildern und Begriffen nieder, auf deren Grundlage eine lebendige Fantasie entsteht. Und eben eine solche lebendige Fantasie bedeute ein reiches Innenleben, das keiner ständig neuen äußeren Reize und Sensationen bedarf.
Schiffer regte an, in den Kindergärten spielzeugfreie Zeiten einzurichten und sich mit den Kindern mehr in der Natur zu bewegen. Im Rahmen eines Waldkindergartens könnten Erzieherinnen und Kinder Hütten bauen oder Staudämme errichten.In seinen Ausführungen ging er auf das Leistungs- und Wettkampfprinzip in den Sportvereinen ein. Hier gehe es häufig nur um Ranglisten und nicht um den Spaß an der Bewegung und dem gemeinsamen Spiel. Schiffer regte an, dieses Leistungsprinzip in den Sportvereinen zu überdenken und vor allem für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr mehr Möglichkeiten zu schaffen, sich ohne Leistungsdruck sportlich und spielerisch zu betätigen.
In der anschließenden Diskussion fragten die Besucher des Vortrags nach praktischen Umsetzungsmöglichkeiten in der alltäglichen Arbeit. Viele der Teilnehmer aus Schule und Kindergarten fühlten sich auch in ihren Arbeitsansätzen bestätigt.
(Quelle: Wlz-Fz.de)Kommentar:
Der DLV hat das Problem erkannt. Ein entsprechendes Konzept wurde schon vor einiger Zeit entwickelt, welches aber nicht immer und überall umgesetzt wird.
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DLV: Kinderleichtathletik
"Ja, der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat eine Kinderleichathletik- Konzeption, innerhalb derer die 7-11jährigen Kinder im Blickpunkt stehen. Der "DLV-Rahmenplan Kinderleichtathletik" (erscheint im Sommer 2002) bildet die Grundlage für die Vermittlung einer kindgerechten Leichtathletik. Neue Wege gehen wir auf der Wettbewerbsebene der Vereinsleichtathletik mit dem Hallen-Wettbewerb "fun athletics" und der Freiluft-Variante "kids' athletics" . Ein attraktiver Schulwettbewerb: das neue, erweiterte Konzept der Bundesjugendspiele. Offensiv geht der DLV auf die Lehrkräfte in den Schulen zu und bietet vielfältige Materialien für eine kindgerechte "Leichtathletik in der Schule" an."
mehr: www.leichtathletik.de (Link: Young Athletics)
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Hausärzte sollten junge Patienten ermuntern, mehr Sport zu treiben
Fitness-Test bei 20 000 Schülern bestätigt: Jugendliche werden immer schlapper
BERLIN (hak). Hausärzte sollten ihre jungen Patienten verstärkt ermuntern, Sport zu treiben, und entsprechend auf deren Eltern einwirken. Denn die Fitness schulpflichtiger Kinder und Jugendlicher in Deutschland nimmt rapide ab, wie eine Studie unter 20 000 Schülern jetzt bestätigt.
Nur noch 80 Prozent der Jungen und 74 Prozent der Mädchen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren erreichen heute die gleichen Ausdauer-, Kraft- und Koordinationsleistungen wie ihre Altersgenossen im Jahr 1995. Das ist das Ergebnis einer Studie von AOK, Deutschem Sportbund (DSB) und Wissenschaftlichem Institut der Ärzte Deutschlands (WIAD), an der sich über 20 000 deutsche Schüler im Alter zwischen sechs und 18 Jahren beteiligt haben.
Schon vor zwei Jahren hatten AOK und DSB vor den Auswirkungen fehlender Fitness bei Kindern gewarnt. Geändert hat sich kaum etwas. Im Gegenteil: Die Sportstunden an den Schulen fallen weiterhin zu häufig aus, der Medienkonsum nimmt zu, das Ernährungsverhalten der Kinder wird bedenklicher. Selbst bei den Jüngsten gehe die Fitness deshalb inzwischen zurück, heißt es in der Studie. "Sollte dieser Trend anhalten, hätte dies unabsehbare Konsequenzen", warnte WIAD-Geschäftsführer Dr. Lothar Klaes gestern. Bewegungsmangel in jungen Jahren sei später kaum noch aufzuholen. Außerdem würden Bewegungsmuffel ihre mangelnde Fitness an ihre Kinder weitergeben. "Gelingt es nicht, die jetzige negative Entwicklung umzukehren, wachsen immer schlappere Generationen nach", sagte Klaes.
Einziger Lichtblick der Studie: Gerade jene Kinder und Jugendlichen, die sehr unsportlich sind, wünschen sich überdurchschnittlich häufig, mehr Sport zu treiben. Allerdings haben nur ein Drittel der Schüler wenigstens drei Stunden Sportunterricht pro Woche.
(Quelle: www.arztonline.de)-------
DLV-News
Schulsportmisere und kindgerechte Antworten
Im Jahr des Schulsports standen am vergangenen Wochenende im Güstrower Sport- und Bildungszentrum die Kinder in der Leichtathletik im Mittelpunkt. Veranstaltungsleiter Rolf Karl, Schulsportbeauftragter in Mecklenburg-Vorpommern, gewann für die zentrale Aus- und Fortbildungsinitiative für Lehrer und Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Kooperation mit dem gastgebenden Landesverband ein handverlesenes Referententeam.
Peter Hirtz, Professor für Bewegungs- und Trainingswissenschaften und zugleich Präsident des Landesverbandes, stellte in seinem Eingangsreferat vor siebzig Zuhörern die Situation im Schulsportsektor am Beispiel seines Bundeslandes vor. Wissenschaftlich ist der Nachweis des Rückgangs der Leistungsfähigkeit im Lauf-, Sprung- und Wurfbereich für den Schulsport erbracht. Das Zahlenmaterial aus DDR-Zeiten und aktuellen Studien Mitte der Neunziger Jahre spricht Bände. Zu verzeichnen ist ein drastischer Leistungsabfall in allen motorischen Bereichen.
Anhand des leichtathletischen Schlagballwurfes der zwölfjährigen Jungen wird ein massiver Leistungsrückgang offen gelegt: Während noch im Jahr 1982 die durchschnittliche Wurfweite mit 34 Meter ermittelt wurde, verringerte sich die durchschnittliche Wurfdistanz 1996 um sieben auf 27 Meter. Alarmierend ist auch der Vergleich beim 60-Meter-Lauf. Hier verschlechterten sich die Durchschnittswerte dieser Altersgruppe von 10,4 auf 11,3 Sekunden. Ähnlich zeigen sich die Veränderungen auch bei den gleichaltrigen Mädchen (10,6/11,5 Sekunden).
Motivationspotenziale nutzen
In der heutigen Gesellschaft, die geprägt ist durch eingeengte Bewegungsräume, reduzierte Bewegungsmöglichkeiten und verkürzte Bewegungszeiten, meldete sich Fred Eberle, DLV-Präsidiumsbeauftragter für Kinderleichtathletik in seinem Plädoyer zu Wort. Eberle griff die Analyse von Hirtz auf, um zugleich zu bestätigen, dass es bereits ein umfangreiches und differenziertes Wissen um die Trainingslehre und seiner Mittel in Theorie und Praxis gebe, welches zudem nahezu erschöpft sei. Nunmehr sei ein ausgeprägtes Maß an Motivationsfähigkeit gefragt: Wir entwickeln und erhöhen den Motivationsgrad von Bewegungen und damit von altersgemäßen Leistungsvoraussetzungen - vor allem durch herausfordernde, vielseitige und abwechslungsreiche Reizsetzungen, so der Pädagoge aus Schwäbisch-Gmünd.
Die physischen Möglichkeiten zur Leistungssteigerung sind nahezu erschöpft. Leistungen zu optimieren, heißt auch, langfristig im pädagogisch-sozialen Bereich aktiv zu werden. In der Berücksichtigung der Psyche des Kindseins stecken vielfältige Reserven, die wir noch gar nicht alle kennen, ist Eberle überzeugt.
Kinder und Lehrer kamen ins Schwitzen
Kreativität und Kommunikationsfähigkeit war im ersten Praxisteil gefragt, welchen Hartmut Kolb (Landesinstitut für Schulsport Schwerin) gestaltete. Mit Zweit- bis Viertklässlern des LAV Mühl Rosin zeigte er bewährte Spiel- und Übungsformen Vom Schnell-Laufen zum Sprint auf.
Hautnah erlebten die Lehrgangsteilnehmer, inwiefern sorgfältig ausgewählte Gerätearrangements Reizintensität und umfang kindgemäß erhöhen. Auf dem Weg Vom Weit springen zum (Schritt-)Weitsprung stellte das DLV-Referententeam David Deister und Fred Eberle die Rolle der Rhythmusfähigkeit heraus.
Zum Schwitzen kamen schließlich auch die Erwachsenen. Vermittlungsmethoden zum Geraden Wurf wurden nachvollzogen und das Ziel, einen effektiven Dreierrhythmus zu entwickeln und zugleich motiviert das Wurfgerät zu beschleunigen - verwirklicht.
Das Problem der Notengebung in der Schule
Auch die Problematik um die Bewertung und Notengebung im Unterricht wurde beleuchtet. Kolb zeigte auf, dass etwaige Punktelisten wie schon ehemals im DDR-Schulsport - lediglich Richtwerte darstellen. Lehrkräfte sollten sich klarmachen, dass sie gerade im Sport als Pädagoge wirken. Und dies mit abweichenden Entscheidungsspielräumen zur Notenfindung.
Eine Bilanz dieses Tages lautet: Die Leichtathletik in Schule und Verein wieder voran zu bringen, verwirklicht sich nicht von selbst. Es bedarf Initiativen, Anstrengungen und Beharrungsvermögen von vielen Partnern.
Die Ausbildung von Güstrow ist so zunächst eine Initialzündung von kompetenten Partnern. Nun gilt es, die aufgezeigten Möglichkeiten in den Unterricht und die Übungsstunde zu transportieren und dafür Anschluss-Ausbildungen im Landesverband zu organisieren.
Konsequent geht der DLV mit seinen Landesverbänden diese Wege: Folgen doch innerhalb der nächsten zwei Monate weitere Ausbildungslehrgänge für die Ausbilder gemeinsam mit den Regional-Verbänden aus Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Beteiligen Sie sich an der Diskussion zum Thema "Schulsportmisere" in unserem Leichtathletik-Forum.
Kontakt:
Deutscher Leichtathletik-Verband
David Deister
Tel. 06151/7708-55
Fax 06151/7708-49
David.Deister@leichtathletik.deQuelle: Leichathletik.de
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Kinder sind nicht "fett und faul"
Studie weist aber darauf hin, dass die motorische Leistungsfähigkeit nachgelassen hat
KÖLN (sgs). Der Nachwuchs ist nicht so "fett, faul und fernsehsüchtig", wie die Medien ihn gerne darstellen. Das wollen die Herausgeber des "Ersten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts" belegen. Der Studie zufolge sind Kinder begeisterte Sportler. Über 80 Prozent sind Mitglied in einem Sportverein.
"Generell genießt der Sport bei Kindern und Jugendlichen ein höheres Ansehen, als oft vermutet wird", sagt Professor Werner Schmidt von der Uni Essen-Duisburg, einer von drei Herausgebern des Berichts.
Aus der Altersgruppe der 10- bis 13jährigen geben 84 Prozent "Sport treiben" als Lieblingsbeschäftigung an. Bei den Jugendlichen bis 18 Jahren steht der Sport auf der Beliebtheitsskala noch auf Platz drei hinter "sich mit Freunden treffen" und "fernsehen".
Allerdings bietet die von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung finanzierte Studie kein vollständiges Bild von der Sportlichkeit Heranwachsender. "Wir haben uns auf Vereinssport und Schulsport konzentriert", sagt Schmidt. Trendsportarten wie Beachvolleyball oder Inlineskaten werden zwar als Phänomene behandelt, doch über ihre Verbreitung liefert der Bericht keine Erkenntnisse.
Ebenfalls unter Vorbehalt steht, was die Sportforscher über die motorische Leistungsfähigkeit der Jugendlichen herausgefunden haben. Für den Bericht wurden 54 verschiedene Untersuchungen aus dem Zeitraum 1975 bis 2000 ausgewertet.
Verglichen wurden Körpergröße und -gewicht, der Body-Mass-Index, Laufleistung, Sit-ups, Rumpfbeugen und Standweitsprung. Das Ergebnis: Die Jugendlichen seien heute um zehn Prozent weniger leistungsfähig. Allerdings, so der Bericht: "Zunehmendes Übergewicht bestätigt sich nicht".
( Quelle: arztonline.de )---
"Mit nur Spielwiesen-Leichtathletik kommen wir nicht weiter!"
Jeder, der ein bisschen Ahnung hat vom Laufen, weiß, dass der Crosslauf unerlässlich ist für eine Weiterentwicklung als Läufer. Dass Helmut Heine nun schon seit 4 Jahren den Vereinscross anbietet, ist nicht hoch genug zu loben.
Heinz Spies, anerkannter Trainer aus Bremen sagt: "Ich plädiere nach wie vor für eine Crosslaufsaison von Mitte November bis Ende März. Nur wer ein spezieller Crossläufer ist und Wert auf gute Platzierungen bei Meisterschaften legt, sollte die Cross-Saison als Hauptsaison planen. Ansonsten sind Crosswettkämpfe aus dem Training herauszulaufen. Wir haben immer unseren langsamen long jog (25 - 35 km) am Samstag gemacht und sind zum Erstaunen der Konkurrenten, Trainer vorne mitgelaufen und konnten zum Schluss so spurten, dass wir oft gewonnen haben. Ja, wie kommt denn das? Bitte über den Super-Sauerstoff-Lauf nachdenken!
Noch eine Anmerkung: Mir geht das Herz auf, wenn ich Crossläufe mit großer Schüler- und Jugendbeteiligung sehe. Dabei beobachte ich immer wieder neue Talente. Doch wo bleiben diese?
Mit nur Spielwiesen-Leichtathletik kommen wir nicht weiter! Die Kinder müssen gefordert werden. Ein Leben lang zwei- bis dreimal pro Woche für ca. 45 Minuten eine natürliche Sportart in Familie - Kindergarten - Schule - Studium - Ausbildung - Beruf - Seniorenfitness... so schließt sich die Kette zur Gesundheit für ein ganzes Leben!"
Stand: Sonntag, 27. Februar 2011